Veröffentlicht am 16. November 2022
Ein Beitrag von Meltem Ay

Interview mit Stefan Heilmann, Gründer und Geschäftsführer von DoctorBox

Neue Technologien und Geschäftsmodelle – die Digitalisierung verändert die Berufswelt und damit auch die Anforderungen an Mitarbeitende. Auch in der Gesundheitsbranche ist die Digitalisierung in vollem Gange. Ich habe mit Stefan Heilmann, Gründer und Geschäftsführer des Berliner HealthTech-Unternehmen DoctorBox gesprochen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Strecke zwischen Leistungserbringern wie Ärzten und Kliniken und den Patienten zu digitalisieren. Ein spannendes Gespräch über Datenhoheit, den heutigen Arbeitsmarkt und Parallelen zum Thema E-Commerce.

Gender-Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Interview die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

Meltem Ay: Zuerst einmal die Frage, was ist eigentlich HealthTech?

Stefan Heilmann: HealthTech ist die Verbindung der analogen Gesundheit mit den Vorteilen der Technologie. Gute HealthTech heißt für mich, die medizinische Diagnostik, Pharmazeutik, Behandlung und Therapie und damit die Gesundheit mit Technik zu verbessern.

Meltem Ay: Woher kam die Idee zur Gründung von DoctorBox?

Stefan Heilmann: Im Wesentlichen gab es vier Gründe. 1. Ich hatte und habe in Oliver Miltner den perfekten Partner in Crime für das Projekt. Er ist nicht nur Arzt (Chirurg), Freund und Ratgeber; wir teilen auch die Sicht auf die Zukunft der (digitalen) Gesundheit. Allein hätte ich es wohl nicht gemacht, denn dann passieren zu viele Fehler. Einen guten komplementären Partner zu finden, ist wichtig. 2. Wir sind beide der Überzeugung, dass jeder Patient ein Recht auf seine Gesundheitsdaten hat. Diese digital bei sich zu haben, ob auf seinem Smartphone oder wo immer man sie haben möchte, und anders als bei der elektronischen Patientenakte die Datenhoheit zu behalten, sollte ein Grundrecht sein. Heute liegen Gesundheitsdaten überall nur nicht beim Patienten. Wir wollen ihm die Datenhoheit über seine eigenen Daten zurückgeben. 3. Mit besser ausgestatteten Gesundheitsdaten kann Gesundheit besser verwaltet werden. Das ermöglicht eine bessere Behandlung und Menschen können besser leben. Es gibt einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Besitz der eigenen Daten, der Möglichkeit diese aktiv zu managen und einem längeren gesunden Leben. 4. Wir haben in den letzten 50 bis 60 Jahren eine dramatische Entwicklung in der Gesundheit. 85 % aller Gesundheitsausgaben entfallen auf 6 Krankheiten – alle chronisch (Herz, Lungen, psychische Erkrankungen, Krebs, Diabetes, neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer & Co.). Tendenz steigend. Der medizinische Fortschritt und das Älterwerden haben dazu geführt, dass wir einen riesigen Block an chronisch kranken Menschen (durchschnittlich ab dem Alter von 40/50 Jahren bis an das Lebensende) mit uns ziehen. Und da reden wir nicht über eine Randgruppe, sondern über rund 30 Mio. Deutsche oder 200 Mio. Europäer. Eine unfassbar große Zahl von Menschen ist tendenziell ihr halbes Leben lang chronisch krank. Das finde ich ethisch nicht akzeptabel und es ist für das Gesundheitssystem nicht tragbar. Deshalb muss man etwas dagegen tun. Und da kommt eben wieder der Punkt Datenhoheit ins Spiel. Menschen müssen ihre eigenen Daten haben, um diese aktiv zu managen. Denn präventiv zu handeln ist die einzige Möglichkeit dem entgegenzuwirken.


Meltem Ay: Was bietet DoctorBox an?

Stefan Heilmann: Heute ist DoctorBox ein Mini-Amazon, also ein Marktplatz für die digitale Gesundheit. Mit mehr als 1,3 Mio. registrierten Nutzern ist DoctorBox die größte Patientenplattform in Deutschland, wahrscheinlich sogar in ganz Europa. Unser Angebot umfasst 1) diagnostische Dienste: Wie teste ich meine Gesundheit, wie finde ich heraus, was ich habe. 2) Pharmazeutische Dienste: Medikamente managen, nachbestellen, Gegenindikationen prüfen etc. 3) Digitale therapeutische Therapien: Zugang zum Arzt, konstantes Überwachen chronischer Krankheiten wie Diabetes und Asthma. Wir sind sehr stark im diagnostischen Bereich. Der Pharma-Bereich ist noch sehr jung. Anfang 2023 werden wir Therapie / Care an DoctorBox anbinden. Wo kommen diese Dienste her? Wir sind ein Gesundheitsmarktplatz, der eigene digitale Gesundheitsdienste kreiert, die wir auf die Plattform stellen und an Patienten liefern. Wir bieten aber auch fremde digitale Dienste an, die wir selbst gar nicht besser machen können, und binden diese an unseren Marktplatz an. Und wir vermieten – ähnlich wie Amazon Web Services – unsere Infrastruktur. Wir bieten unser Backend-as-a-Service digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAS) und Pharmaplattformen wie z. B. gesund.de an, die keine Infrastruktur haben, um EU-datenschutzkonform und ISO-zertifiziert speichern zu können. Wir sind eine Mischung aus einer Bank für Gesundheitsdaten mit einem angeschlossenen Marktplatz, der die Diagnostik, Pharmazeutik und Therapie der Patienten bedient.

Warum liefern wir auch Speicherinfrastruktur? Weil der Gesetzgeber (zu) viel Zeit braucht, um sie selbst aufzubauen. Es wäre ideal, wenn die ePA Deutschland erfolgreich wäre als Speicherinfrastruktur für Patienten. Aber sie scheint nicht wirklich zu wachsen und genutzt zu werden. Warum gibt es erst 500.000 Nutzer? Deshalb müssen wir das mitliefern. Anders als beispielsweise im Finanzsektor haben wir keine Bafin, also keinen Regulator. Deshalb lassen wir uns zertifizieren. Ganz wichtig: Im Gegensatz zu den staatlichen Institutionen lassen wir End-to-End verschlüsseln und geben dem Patienten den Schlüssel. Damit hat er als Einziger das Zugangsrecht zu seinen Daten. Ich finde das ist ein Muss bei der Sensibilität dieser Daten. Wenn man nicht krank ist, ist das natürlich unproblematisch. Aber wenn man eine Autoimmunkrankheit wie Aids, eine Geschlechtskrankheit hat, oder chronisch krank ist, möchte man diese Information nicht in der Öffentlichkeit, nicht beim Arbeitgeber, nicht außerhalb der Familie haben.

Wir bieten den Kunden die Sicherheit aus einer Bankeninfrastruktur, verbunden mit dem Mehrwert des Marktplatzes, nämlich die Gesundheit ohne Medienbruch digital managen zu können. Wir sagen nicht, dass die Gesundheit nur digital gemangt werden muss. Man muss Ärzte besuchen, aber nicht immer. Vieles lässt sich fernmedizinisch digital handeln und das erleichtert das Leben – insbesondere das der chronisch Kranken. Die müssen nämlich jede Woche zum Arzt gehen. Und wenn man das erleichtert bzw. optimiert, hat das einen immensen Einfluss auf die Lebensqualität und auch den Behandlungserfolg.

Was sind die Trends & Entwicklungen der Branche?

Natürlich Digitalisierung. Aber ich möchte kurz voranstellen, worüber wir beim Thema Digitalisierung in der Gesundheitsbranche sprechen. Die Leistungserbringer (Ärzte und Kliniken – alle, die regulierte ärztliche Dienstleistungen erbringen) sind schon lange digitalisiert. Sie haben Computer, sie haben Software, CRM, ERP, sie nutzen hochmoderne Medtech-Maschinen, die mit Software gesteuert werden etc. Wenn ich also sage, die medizinische Branche ist nicht digitalisiert, ist das falsch. Die sind digitalisiert. Was nicht digitalisiert ist, ist die Strecke zwischen Leistungserbringer und dem Patienten. Und darum kümmern wir uns bei DoctorBox. Auf dieser Strecke gibt es heute Papier, Fax und Post. Der moderne Arzt wagt sich raus, außerhalb des europäischen Datenschutzes und dem Schutz des Patienten, und kommuniziert und verschickt Befunde per Mail oder WhatsApp. Dramatisch eigentlich. Einen Befund per WhatsApp zu verschicken. Das ist der Zustand der Kommunikation.

Also zu der Frage nach den Trends: Der erste große Trend ist eingetreten durch die Corona Krise. Millionen europäische Testergebnisse/ ärztliche Befunde mussten digital versandt werden und keiner hatte eine datenschutzkonforme Infrastruktur dafür. Keiner hat es kontrolliert und keiner hat darüber nachgedacht. Alle wurden kalt erwischt. Das führte dazu, dass sowohl Gesetzgeber als auch Patienten darüber nachdenken, da läuft irgendwas falsch und das müssen wir beheben. Dieser Trend hält an. Corona wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf die Digitalisierung der Strecke zwischen Arzt und Patient. Das ist wahrscheinlich eine der guten Nachwirkungen dieser schrecklichen Pandemie. Der zweite Trend: Auf Seiten des Patienten erleben wir, dass wie vor 20 Jahren im E-Commerce vertikal digitalisiert wird. Spitze, sehr spezifische Angebote werden digital übersetzt: Ada macht Diagnostik, DocMorris liefert Medikamente, Teleklinik macht Telemedizin/Therapie usw. Es gibt Apps für spezielle Krankheitsbilder. Oliver Miltner sagt, es gibt den Zehennageldefekt, dessen Behandlung in der Zukunft über eine App möglich ist. Es werden digitale Gesundheitsapplikationen für sehr spezielle Themen/Krankheitsbilder entwickelt und spezifische Zielgruppen adressiert. Wie damals als jeder einen Shop aufmachte. Es gab hunderte von E-Commerce-Shops. Sind die heute noch alle da? Nein. Haben die alle Geld verdient? Nein. Das Gleiche wird passieren in der digitalen Gesundheit. Man denkt, man kann die analoge Welt 1-zu-1 digital übersetzen. Es ist erstaunlich, dass wir die gleichen Fehler wieder machen, wie vor 20 Jahren und nicht die Analogien suchen. Das ist der Trend, den ich sehe in den nächsten 3-4 Jahren. Weitere Vertikalisierung, sehr spezialisierte Angebote. Warum wird das nicht funktionieren? 1) Die digitalen Kundenakquisitionskosten werden jeden Tag steigen, weil es so viele digitale Angebote gibt, so viele verschiedene Apps, die alle um den gleichen Kunden buhlen. Und die müssen sich dann unterbieten, damit der Kunde kommt. Wer davon profitiert sind Google Amazon, Facebook & Co. 2) Mit jeder digitalen Gesundheitsapp werden persönliche Datensätze der Patienten kreiert. Wer speichert die? Wenn das dieser spezialisierte Anbieter machen muss, hat er hohe Kosten für eine in der Zukunft regulierte Infrastruktur, um diese Daten zu sichern und zu schützen. Das wird denen die Haare vom Kopf fressen. Das wissen wir aus eigener Erfahrung, denn wir haben eine solche Infrastruktur drei Jahre lang aufgebaut ohne Umsatz gemacht zu haben. 3) Der Patient hat im Durchschnitt 5 Apps, die er regelmäßig nutzt. Ich kenne aber hunderte Krankheitsapps. Wer werden denn diese 5 Apps sein? Der Patient wird digital dieses Zersplittern von Angeboten nicht mitmachen. Das macht er analog. Da geht er zum Hausarzt, zum Facharzt, zum Physiotherapeuten etc. Digital muss das aus einer Hand mit einer Super-App möglich sein. Wieviel wird’s davon geben? Vielleicht 3-5 in Europa? Das ist das, was wir bauen. Wir bauen den One-Stop-Shop, die Super-App, um chronische Krankheiten optimal managen zu können.

Meltem Ay: Was haben die Menschen in dieser Branche studiert/gelernt?

Stefan Heilmann: Das kann ich nur vermuten anhand dessen, was ich in meinem Umfeld so sehe. Da kommt sehr viel aus der Beratung, Gesundheits-, Technologie- und Strategieberatung. Zunehmend sehe ich auch Menschen, die aus Pharmazeutik, Therapie, Kliniken und Diagnostik quer einsteigen in dieses Unternehmerische, was ich sehr gut finde. Es sind tolle Leute in der Zusammenarbeit, weil sie natürlich Gesundheit und die Schwierigkeiten in der Strecke zwischen analog zu digital sehr gut verstehen, aber auch das komplexe nationale Gesundheitssystem.

Und dann sehe ich immer wieder auch Ärzte unterschiedlichen Couleurs, z. B. Dr. Dominik Pförringer, niedergelassener Arzt aus München, ist unfassbar aktiv; Professor Jochen Werner, Chef der Uniklinik Essen, ebenso. Oder auch Oliver Miltner, der unternehmerisch tätig wurde, trotz einer riesengroßen Praxis mit 120 Mitarbeitenden. Das sind wahrscheinlich so die Pioniere in der Digitalisierung der Gesundheit. Und dann gibt es mittlerweile natürlich auch einige Menschen, die beispielsweise Gesundheitsökonomie studiert haben, um in die digitale Gesundheit zu gehen. Es gibt sicherlich auch Quereinsteiger aus anderen Industrien. Quereinsteiger finde ich immer spannend, weil sie anders denken und die Dinge anders machen. Alles ist erlernbar!

Meltem Ay: Kann man angesichts dieser unterschiedlichen Werdegänge denn sagen, welche Profile interessant sind?

Stefan Heilmann: Das ist ganz schwer zu sagen, denn in einem digitalen Gesundheitsunternehmen brauchst du ganz unterschiedliche Qualifikationen. Du hast die Technologie, wo Backend/Frontend mit zwei ganz unterschiedlichen Personas besetzt sind. Du brauchst die Fullstack-Ingenieure, die sich mehr mit dem Produkt und dem Thema Kundenorientierung befassen. Stellt sich die Frage, wer eigentlich so eine Gruppe von unterschiedlichen Persönlichkeiten leitet, die an so unterschiedlichen Stellen arbeiten mit unterschiedlicher Distanz zum Produkt und zum Kunden. Du brauchst Ingenieure/ Softwareingenieure, die große multiple Projekte parallel managen können. Das ist der Werner Vogels, der wahnsinnig sympathische CTO von Amazon. Der kann eine Million Software-Ingenieure über eine Plattform managen. Er ist wahrscheinlich eine Ausnahmepersönlichkeit, aber das sind die Leute, die man sucht.

Wenn ich schaue, was wir vertriebsseitig suchen, ist das natürlich sehr komplex, denn wir haben doppelten Vertrieb: Einmal die Angebotsseite unseres Marktplatzes, also was binden wir an. Medtech, digitale Dienste DiGAS, pharmazeutische Lieferanten, Apotheken, Testzentren, Labore, also die Vielfaltigkeit des gesamten Gesundheitswesens. Da braucht man Sales-Verständnis und meistens sogar ein Produktverständnis, weil wir meistens auch eine Software für die Digitalisierung anbieten müssen. Eine Analogie wäre die Power-Seller-Software von eBay, die man vor 20 Jahren den Lieferanten anstatt eines Warenwirtschaftssystems, das sie damals nicht hatten, zur Verfügung stellte, um auf dem Marktplatz Echtzeit anbieten zu können. Also es geht darum, Vertriebspartnerschaften zu pflegen und technisches Verständnis zu haben, wie man den Deal abschließt und den Partner anbindet. Weiter ist Sicherheit ein großer Bereich bei uns. Das umfasst Themen wie ISO-Zertifizierung, Rezertifizierung, permanente interne Überprüfungen der Sicherheitskonzepte und die Dokumentation der internen Managementsysteme und Prozesse, um Risiken zu minimieren. Wieder eine ganz andere Persönlichkeit, die wir dort suchen. Und schließlich Produktentwickler. Welche Produkte bauen wir eigentlich; das ist mehr Produktmanagement und Operations, wo wir alles zusammenführen zu einem digitalen Patientenprodukt. Und letztlich die Geschäftsführung, die immer bestimmte Schwerpunkte aus diesem Bereich haben muss. Idealerweise können sie alles, aber das ist schwierig.

Meltem Ay: Nach welchen Kriterien stellst Du Mitarbeiter ein?

Stefan Heilmann: Meine Grundphilosophie ist, dass Sympathie immer vor Papierqualifikation geht. Es kann jemand auf dem Papier noch so gut sein, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit dieser Person nicht gerne den ganzen Tag, die ganze Woche zusammenarbeite, lasse ich es. Und damit bin ich bisher sehr gut gefahren.

Wir gestalten den Vorstellungsprozess zunehmend mehrstufig, um unterschiedliche Perspektiven zu bekommen. Gerade je seniorer die Position ist, wird die Einschätzung immer schwieriger. Im Gegensatz zum Unternehmenskauf kann man keine ausführliche Due Dilligence machen. Wir optimieren das durch die Zusammenarbeit mit Executive-Search-Beratungen wie GET AHEAD, um eine professionelle Drittmeinung zu bekommen. Das heißt Analyse zur Person, eine Vorauswahl, Referenzen und schließlich die Beratung. Das hilft uns eklatant. Allerdings haben wir uns daran auch erst gewöhnen müssen. Wir waren sehr skeptisch gegenüber dem Thema Personalberatung – auch, weil wir schlechte Erfahrung gemacht haben. Es glich mehr einen CV-E-Mail-Massaker. Es fehlte uns die Beratung und die ernstzunehmende qualifizierte Meinung und Analyse der Person.

Meltem Ay: Inwieweit hat sich aus Arbeitgebersicht der Jobmarkt verändert?

Stefan Heilmann: Der Jobmarkt ändert sich gerade wieder. Wohin kann ich nicht sagen, aber er verändert sich, weil die Erwartungshaltung unsicher ist. Es wird sicherlich schwieriger, dem höher, weiter, schöner im Jobumfeld gerecht zu werden, was eigentlich bis zum ersten Quartal 2022 jeder Arbeitgeber in seiner Art und Weise versucht hat. Work-Life-Balance hat sich durchgesetzt hat. Es sind nicht mehr die 90er Jahre, wo geschuftet und geschuftet wurde. Es ist wichtiger geworden, was man tut; auf welches Ziel man einzahlt. Das kommt uns bei DoctorBox zugute, weil es darum geht, länger gesund zu leben. Aber auch unsere Passion, den Patienten ihr Recht auf die eigenen Daten zurückzugeben, spricht viele an. Etwas machen, das Sinn macht – der viel zitierte „Purpose“ ist heute wichtiger. Wie intensiv das ausgelegt wird, ist sehr individuell, aber es ist überall zu sehen. Work Life Balance – for the good and the bad. Wir haben Leute, die fragen nach 32- oder 24-Stunden-Woche bei vollem Gehalt bis hin zu Menschen, die vollen Einsatz bringen wollen, aber im flexiblen Arbeitsumfeld, also Home Office und Remote Work usw. Dieses veränderte Denken macht sich auch in anderen Bereichen bemerkbar. Z. B. beim Wunsch nach anderen Unternehmensevents. Weg von Mallorca mit Bar und Strand hin zu Once-in-a-Lifetime-Erlebnissen wie Wandern in den norwegischen Lofoten, Segeltouren, Fahrradreisen – Dinge, die man so noch nicht gemacht hat und bei denen Gemeinschaft eine zentrale Rolle spielt. Auch beobachten wir den Wunsch der Weiterbildung nicht nur inhaltlicher, sachlicher Natur, sondern auch persönlicher. Im Gegensatz zum Thema „weniger Arbeiten, mehr verdienen“, mit dem wir uns als Arbeitgeber natürlich schwerer tun, ist der Wunsch nach Weiterbildung und mehr gemeinschaftlichen Events eine sehr positive Entwicklung. Eine weitere Entwicklung: Die Arbeitskraft wird teuer. Der Preisauftrieb ist da, das sehen wir auch an der Inflation. Ob der 2023 gestoppt werden kann, vermag ich nicht zu sagen. Grundsätzlich ist Qualität heute wesentlich teurer als noch vor ein paar Jahren.

Meltem Ay: Wie können Interessenten ihr Profil für diese Branche schärfen?

Stefan Heilmann: Alles ist erlernbar. Ich glaube man muss technologisch affin sein, ein numerischer Typ sein also gut in Mathematik/Naturwissenschaft zu sein, hilft. Man muss eine Passion für Medizin und für digitale Medizin haben. Wer daran nicht glaubt, und wer auch nicht daran glaubt, dass der Patient seine Daten haben sollte, der ist hier falsch. Ich denke, auf unseren Purpose muss man einzahlen. Wenn man das nicht hat, dann ist man hier falsch, weil wir das – die Sicherheit des Patienten – wie die Heilige Bibel beschützen.

Extrem hilfreich ist, wenn der Kandidat schon mal was um, in oder nahe der Gesundheit gemacht hat. Ob Vertrieb, Operations oder Software-Engineering ist völlig egal. Das kann in der Beratung bei den A.T. Kearneys oder McKinseys sein, in großen Pharma- oder Medtech-Unternehmen etc. Außerdem mögen wir unheimlich gerne Leute, die schon mal ein Start-Up gegründet und vielleicht auch Schiffbruch erlitten haben. Die Nöte, Sorgen und Fehler einmal selbst erlebt zu haben, das ist eine sehr lehrreiche Erfahrung.

Meltem Ay: Vielen Dank für das Gespräch!

Fotoquelle: DoctorBox

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